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Ein kultursoziologischer Ansatz zur Analyse sozialer Milieus in Europa, Amerika und dem globalen Süden: Eine Anwendung von Randall Collins "Interaction Ritual Chains"

Seminar, SWS: 2, VL-Nummer: 56207

Die Veranstaltung wird jeweils am Montag von 14.00 - 16.00 Uhr stattfinden. Raum: GW II - S 5

Dozenten

Florian Stoll



Inhalt der Lehrveranstaltung

Wie lassen sich die vielfältigen Lebensbereiche von Menschen so zusammen betrachten, dass sie etwas über die Zugehörigkeit zu sozialen Milieus aussagen? Wie lassen sich notwendig vorhandene und mögliche Merkmale von Milieus auf einer theoretischen Grundlage erfassen?

Das Seminar stellt Randall Collins „Interaction Ritual Chains“ vor. Dieser Ansatz verbindet Erving Goffmans interaktionistische Mikrosoziologie mit Durkheims Ritualtheorie. Durch diese Konzeption bietet Collins eine Grundlage dafür, die vielen und oft scheinbar widersprüchlichen Lebensrealitäten von Mitgliedern sozialer Milieus gemeinsam zu analysieren. Collins geht von einzelnen Situationen aus und untersucht, wie in der Verkettung sozialer„Rituale“ unterschiedlicher Intensität bestimmte Formen von Gruppenmitgliedschaften entstehen. Anhand gruppenspezifischer Interaktionen und gemeinsamer Symbole sowie durch weitere  Elemente entstehen charakteristische Zusammenhänge, die sich Milieus zuordnenen lassen.

Der kultursoziologische Blick auf Situationen und Phänomene erlaubt es, von der Mikro-Ebene ausgehend die Bildung sozialer Milieus zu rekonstruieren. Im Unterschied zu Schicht- und Klassenkonzepten kann dieser Ansatz nicht nur vertikale Differenzierungen berücksichtigen, sondern auch horizontale Besonderheiten und soziokulturelle Einflüsse integrieren. Damit können über die sozioökonomische Schichtung hinaus beispielsweise Lebensstile, Formen ethnischer Zugehörigkeit,  Religiosität u.a. analysiert werden. Durch die Berücksichtigung der Mikro-Ebene und durch ihre Flexibilität bildet diese Anwendung von Collins einen vielversprechenden Ansatz für die Forschung – in Europa und den USA, aber auch in afrikanischen Ländern und in anderen Kontexten des globalen Südens.

Die Lektüre ausgewählter Originaltexte von Goffman und Durkheim wird die theoretischen Grundlagen von Randall Collins „Interaction Ritual Chains“ so vorbereiten, dass zentrale Argumente leicht zugänglich werden. Anschließend wird in mehreren Sitzungen Collins Ansatz diskutiert und auf die Analyse sozialer Milieus in Europa, Afrika und bei Interesse auch in weiteren Kontexten angewandt. In dem Seminar werden damit auch implizit andere Ansätze der Sozialstrukturanalyse – etwa die Soziologie Pierre Bourdieus – diskutiert.

Zielgruppe: ab dem 4. Semester BA KuGeA; MA KuGeA; BA Soziologie; 


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