Facheinheit Soziologie Kulturwissenschaftliche Fakultät logo-uni-bayreuth
Entwicklungssoziologie
ForschungStudium und LehreMitarbeiterKontakt
Wegweiser: Entwicklungssoziologie / Forschung / Laufende Promotionsprojekte / Soziale Gliederung und der Aufbau der städtischen Mittelklasse in Maputo – Eine Fallstudie
English

Soziale Gliederung und der Aufbau der städtischen Mittelklasse in Maputo – Eine Fallstudie

Projektbeginn: 2012

Doktorand: Peter R. Beck


Kontaktdaten

E-Mail: peter_beckmoz@yahoo.com
Telefon: 0921-55-4116
Fax: 0921-55-4118

Projektbeschreibung

Soziale Gliederung und Klassenbildungsprozesse in heutigen afrikanischen Gesellschaften sind immer noch größtenteils unerforschte Phänomene. Mosambik ist keine Ausnahme. Aktuelle Forschungsansätze wenden Messungen ökonometrischer Ungleichheit an, wie Haushaltsbefragungen, die jede Betrachtung der sozialen Gliederung und Klasse, sowie deren Einfluss auf die Verteilung von Möglichkeiten, Ressourcen und Lebenschancen vernachlässigen.

Um diese Lücke zu füllen und um eine Fallstudie der Mittelklassen und Gliederung im städtischen Mosambik vorzulegen, wenden wir den Vorschlag von Savage, Ward & Devenne an und richten unseren Fokus auf „the effects of class“ und wie sie „are produced through individual actions drawing variously on assets“.1 Zu diesem Zweck stützen wir uns auf eine Kombination von Pierre Bourdieus theoretischen Rahmen bezüglich Kapitalbesitz und Positionen im sozialen Raum und dem theoretischen Ansatz der rationalen Entscheidung in Bezug auf Croziers und Friedbergs Konzept strategischer Handlung, welches im Kontext der Organisationstheorie und Recherche entwickelt wurde. Die folgende Tabelle greift den konzeptionell-theoretischen Ansatz erneut auf. Die Dimensionen der Strukturhandlung interagieren wiederholt, die Ergebnisse können im Sinne der Institutionalisierung der geschichteten Beziehungen und sozialen Wandels beschrieben werden. Basierend auf bestehenden Klassifikationen von Mittelklassen und deren Charakteristika, die es erlauben, ‚städtische Mittelklassen‘ von anderen sozialen Klassen zu unterscheiden, wird die empirische Forschung durch Interviews mit Ermessensstichproben von Repräsentanten der Mittelklasse durchgeführt, die die Mindestanforderungen für eine vergleichende Datenanalyse erfüllen (Bouma & Atkinson 1995). Die Datensammlung wird in Form von semistrukturierten vergleichbaren Interviews und Beobachtungen erstellt. Das erwartete Ergebnis ist es, eine Beschreibung bestimmter, spezifischer struktureller Muster zu erstellen, welche bezüglich Besitzes, sozialer Position und Lebensweise charakteristisch für jeden einzelnen, identifizierten Mittelklassenteil sind. Weiterhin sollen einschlägige strategische Orientierungen, Grundsätze und Präferenzen beurteilt werden.

Diese Forschung wird durch statistische und historische Informationen sozial-struktureller Daten und politische sowie sozioökonomische Entwicklungen, wie Privatisierungsprozesse und wie sich diese Vorkommnisse auf im Lebenslauf, dem Treffen von Entscheidungen und deren Ergebnissen auswirkt, vervollständigt. Deshalb wird während des Interviewens besonderes Augenmerk auf biographische Informationen gelegt um die folgenden Möglichkeit zu eröffnen:

1) Rekonstruktion dynamischer Aspekte der Klassenbildung, das heißt, die Rekonstruktion strategischer Grundsätze, Entscheidungen und des Gebrauchs von verfügbarem Kapital, Besitz und Ressourcen

2) Rekonstruktion von Wertmustern und Konzepten von Lebensweisen, die Unterscheidung von Strukturen des Habitus und seiner Entwicklungen angewendet werden können und Prozesse sozialen und kulturellen Wandels anzeigen (siehe Bourdieu 1979).

Nur dann wird es möglich sein zu beurteilen, in welchem Ausmaß städtische Mittelklassen in der Lage und willens sind, die ihnen zugerechnete stabilisierenden Rollen wirtschaftlicher und politischer Stabilisierung wahrzunehmen. Nicht zuletzt verstehen wir die empirische Studie zur Mittelklasse als ein Mittel, um die Validität des konzeptionellen, theoretischen Rahmens für die Erforschung von Klassen- und Gliederungsprozessen in Entwicklungsländern zu testen

Appendix: Konzeptionell-theoretischer Rahmen (Bourdieu (1979/1985) & RTC – Crozier & Friedberg 1976)

Dimensionen

Strukturelle Dimension

Verhaltensdimension

Strukturelle Heterogenität

Strukturelle Dimension

1. Soziale Felder: (Aktionsrahmen)
Sozialer Stand der Akteure (Status und Klasse)

2. Habitus-Strukturen

(Kulturelle Regeln)
Angeeignete Präferenzmuster von Werten, Glaubenssystemen, Alltagshandlungen und  Ansprüchen während der milieugebundenen Sozialisation.

Modern vs. traditionell Regeln und Statusdefinitionen

Situationsbeding. Dimension (System konkreter Handlung)

Strukturen von Möglichkeiten - Verteilung

5. Anteile (Monopolisierung von Marktchancen)

 

Muster von Interessen und Zielen

Strategische Nutzung von Absperrungen

Zugangsbedingungen – Formen sozialer Abgeschlossenheit

6. Allianzen und Konkurrenz2

Zweckmäßige strategische Handlungen

Verhaltensdimension

3. Kapital: (Ressourcen)
Verteilung und Zugang zu Machtressourcen (ökonomisch, sozial, kulturell, positionsbezogen) ähnlich der Position im sozialen Feld

4. Strategische Handlungen: (soziale Interaktion und Vereinigung)
bezüglich RTC

Bürokratisch/ marktgebundeneBesitztümer vs. Ressourcen traditioneller Gesellschaften (Linage, kulturell, geographisch)

           

 

1 Mike Savage, Allan Ward, Fiona Devine (2005), Capitals, assets and resources: some critical issues, British Journal of Sociology, vol. 56, issue, 1, p. 32.

2 Weber hat Konkurrenz als “peaceful conflict” orientiert am Aneignen “over opportunities that others are also interested in”. Weber, in Richard Swedberg (1998) Max Weber and the idea of economic sociology, Princeton, p. 34.

 


Universität Bayreuth - Kontakt     Impressum     Haftungsausschluss