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Wegweiser: Entwicklungssoziologie / Forschung / Abgeschlossene Projekte / Prozesse der Eskalation und Deeskalation in Nordghana
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Prozesse der Eskalation und Deeskalation in Nordghana

Laufzeit: 2006 - 2007

Projektleiter: Dieter Neubert; Artur Bogner

Finanzierung: Berghof-Stiftung: 1.2.2006-31.01.2007


Projektbeschreibung

Ghana gehört zu den Ländern südlich der Sahara, die von größeren Bürgerkriegen bis Heute verschont blieben. Mehrnoch hat Ghana in den letzten 14 Jahren einen Übergang zur parlamentarischen Demokratie mit sichtbaren Erfolg erreicht und, nach Dekaden wirtschaftlichen Abschwungs, ein gemäßigtes Wirtschaftswunder erfahren. Diese positive Blick bedarf einiger Ergänzungen für Nordghana, welches viele gewaltsame lokale Konflikte seit 1980 gesehen hat und 1994 der Ausgangspunkt für einen Bürgerkrieg von einigen Wochen Dauer war. Nach dem Bürgerkrieg in dieser Provinz versuchte ein Bündnis aus ghanaischen und internationalen NGOs zwischen den vier in den Krieg verwickelten ethnopolitischen Fraktionen (aus Dagomba, Konkomba, Nanumba und Gonja) zu vermitteln und initiierte einen Friedensprozess, der zu einem meist weitreichenden Friedensabkommen im Jahr 1996 und zu dessen (im Großen und Ganzen) erfolgreichen Umsetzung führte. Die Themen des Projekts, welches von der Berghof-Stiftung für Konfliktforschung gefördert wird, sind Geschichte, Erklärung und Folgen dieses Friedensprozesses. Was sind seine Lehren für die Tätigkeit des konstruktiven Konfliktmanagements und auch für die Theorie zu kommunalen Konflikten in Afrika? Seit 1994 hat die Bedeutung von NGOs für lokale Deeskalationsprozesse od gewaltsame Eskalation stark zugenommen in Ghana. Mehr und mehr wurden die NGOs - nicht zuletzt die Kirchen und mit ihnen verbundene Organisationen - wichtige Partner in der Kommunikation und Vermittlung für die Fraktionen in lokalen Konflikten wie auch für die Regierung und lokale Verwaltungen. Diese Erfolgsgeschichte führt zu zwei wichtigen Ergebnissen, die normalerweise nicht von Peace-Building-Aktivitäten beabsichtigt sind. Erstens, dort wo interethnische Konflikte erfolgreich deeskaliert wurden, haben innerethnische Konflikte (meistens Konflikte um den Posten des Chiefs) die Tendenz klarer und gewaltsamer zu werden. Die im Peacebuilding aktive NGO wird nun wiederum um Vermittlung in diesem Konfikt gebeten. Dies führt zum zweiten Punkt. Die NGOs haben sich selbst als ein wichtiger lokaler Akteur etabliert, der de facto in eine Kernaufgabe des Staates eingreift, welches die Schaffung und Sicherung der öffentlichen Ordnung ist.

Das Projekt „Prozesse der Eskalation und Deeskalation in Nordghana“ verfolgt drei Hauptziele:

  • Erstens sollen in intensiven qualitativen Fallstudien lokale Prozesse der Eskalation und Deeskalation von Wir-Gruppenkonflikten in Nordghana untersucht werden, insbesondere von ‚kommunalen’ oder ethnopolitischen Konflikten. Dabei soll versucht werden, die Dynamik der sozialen Konfliktkonfiguration der Northern Region Ghanas in allen für die Prognose von gewaltsamen Eskalationsprozessen relevanten Dimensionen zu erfassen und eine Einschätzung der aktuellen Sicherheitslage in dieser Provinz zu erstellen. Dabei soll das Augenmerk entsprechend dem spezifischen Charakter dieser substaatlichen Konfliktfiguration besonders auf den verschiedenartigen lokalen Konfliktszenarien liegen, aus denen sie sich zusammensetzt, und auf der Aufklärung der jeweils unterschiedlichen spezifischen Eskalationsdynamik in unterschiedlichen „Districts“ bzw. „Traditional Areas“.
  • Das Projekt soll zweitens an zentraler Stelle eine historische Untersuchung und Einschätzung der Folgen der von einem Zusammenschluss zahlreicher Nichtregierungsorganisationen („Inter-NGO Consortium“) und von der ghanaischen Regierung teils parallel, teils konkurrierend unternommenen Schlichtungsbemühungen einschließen, die im Anschluss an den kommunalen Bürgerkrieg des Jahres 1994 einsetzten. An der Vermittlungstätigkeit des Inter-NGO Consortium wirkten Mitarbeiter der Nairobi Peace Initative maßgeblich mit, einer mit Friedensarbeit befassten kenianischen Nichtregierungsorganisation. Der offenbar sowohl beachtenswerte als auch begrenzte Erfolg dieser Interventionen legt eine Studie nahe, die die beiden hier genannten Hauptaufgaben miteinander verbindet.
  • Drittens soll auf diesem Weg versucht werden, die Methoden und Grundkonzepte einer empirisch fundierten Konfliktszenarioanalyse weiterzuentwickeln, die auf die Früherkennung der Eskalationschancen in substaatlichen Konfliktfigurationen im subsaharischen Afrika abzielt. Dabei ist die Untersuchung lokaler  Konflikte bzw. Konfliktkonstellationen von doppelter Bedeutung. Zum einen spielen lokale  Konfliktkonstellationen in den zumeist dezentralen Konflikten des subsaharischen Afrika eine oft zentrale Rolle und zum anderen ist gerade die Dynamik der lokalen Eskalationsprozesse und -mechanismen bislang wenig systematisch erforscht worden. Der so genannte „Northern Conflict“ in Ghana bietet sich für ein solches Vorhaben u.a. aufgrund der zeitlichen Begrenztheit der Gewaltausbrüche, d.h. der bislang relativ niedrigen Eskalationsstufe der fraglichen Konflikte und deren Einbettung im Kontext eines relativ stabilen „Nationalstaats“ an.


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