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Wegweiser: Entwicklungssoziologie / Forschung / Laufende Projekte / Ehemalige Kindersoldat(inn)en in Norduganda

DFG-Projekt: "Kindersoldat(inn)en im Kontext"

Laufzeit: März 2014 - Juni 2016 - Projektverlängerung: Juli 2016 - Juni 2017

Projektleiter: Dieter Neubert;

Prof. Dr. Gabriele Rosenthal (Universität Göttingen)

Projektmitarbeiter: Artur Bogner

Finanzierung:

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft - DFG


Projektbeschreibung

Kindersoldat(inn)en im Kontext. Biographien, familien- und kollektivgeschichtliche Verläufe in Norduganda            

 

Das Anliegen des Projekts ist die Rekonstruktion der Reintegrationsprozesse und Biographien von ehemaligen Kindersoldat(inn)en und seinerzeit minderjährigen Entführten der Rebellen der Lord's Resistance Army in ihrer Verflechtung mit Familienbiographien sowie der lokalen Geschichte des jüngeren Kriegsgebiets Nordugandas.

Im Unterschied zur bisherigen Forschung sollen bei Datenerhebung und Datenanalyse die biographischen Selbstthematisierungen von Kindersoldat(inn)en in die Kontexte der Geschichten ihrer Familien und ihres lokalgesellschaftlichen Umfelds eingebettet und in diesen diachronen

Kontexten interpretiert werden. Das methodische Design der Untersuchung beruht auf Grundsätzen der soziologischen Biographieforschung ergänzt um eine familienhistorische Dimension, wie sie in dieser Forschungsrichtung zunehmend Beachtung findet. Dabei sollen die Wechselwirkungen von Selbst- und Fremdinterpretationen, Selbstthematisierungen und kollektiven Diskursen einen Fokus bilden.

Als zentrales Instrument der Datenerhebung sind narrative Interviews zur Lebens- und Familiengeschichte mit Ex-Kindersoldat(inn)en und ihren Familienangehörigen vorgesehen, im Idealfall mit Repräsentanten von mindestens drei Generationen in jeder untersuchten Familie.

Diese Methode der Erhebung wurde in einer Pilotstudie vor Ort und in der Nachbarregion erprobt. Die genannten Interviews sollen durch Befragungen von Informanten vorwiegend aus dem lokalen Umfeld ergänzt werden, einschließlich Mitarbeitern der mit Ex-Kindersoldat(inn)en befassten nichtstaatlichen und staatlichen Organisationen.

Auf dieser Basis sollen Familiengeschichten und familienbiographische Arbeit der Familien sowie der intergenerationalen Wechselwirkungen und Prozesse in ihrer Bedeutung für die Lebensverläufe und biographischen (Selbst-) Thematisierungen der Kindersoldat(inn)en rekonstruiert werden.

Angestrebt ist eine Verbindung der (familien-)biographischen Fallrekonstruktionen mit Analysen der inner- und außerfamilialen Diskurse sowie ihres historischen Wandels. Das theoretische Sampling wird sich zum einen an den sichtbaren interpersonellen oder intergenerationalen Konflikten orientieren zum anderen an Spannungen zwischen divergierenden Deutungen bezüglich der Übergänge von der Position des Rebellenkämpfers in eine zivile Existenz und von der Jugend zum Erwachsensein.

Anhand der Befunde und Daten eines vorangegangenen Projekts zum Postkonfliktprozess in der Nachbarregion West Nile sind zudem Vergleiche zu dortigen Verläufen und der dortigen Wiedereingliederung ehemaliger (vorwiegend älterer) Rebellensoldaten geplant. Auf diese Weise sollen sowohl allgemeine wie auf den Kontext Nordugandas bezogene Schlussfolgerungen für praktische Maßnahmen der Unterstützung gewonnen sowie die Instrumente von Forschung und Beratung bei der Reintegration von Kindersoldat(inn)en weiterentwickelt werden.


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